Zweifach- oder Dreifach-Übersetzung?

Kompaktkurbeln gehören definitiv zu den aktuellen Trendteilen am Rennrad. Spätestens seit Campagnolo® Kettenblätter mit dem Lochkreis-Durchmesser von 110 mm im Programm hat ist klar, dass Kompaktkurbeln eine attraktive Alternative zu Dreifach-Kurbeln am Rennrad sind.

 

Das große Interesse an der Antriebsalternative ist kein Wunder. Bislang hatten Hobbyfahrer – immerhin die überwältigende Mehrheit aller Rennradkäufer – die Wahl: entweder sie montierten eine Standardkurbel mit 39/53 Zähnen, schön sportlich, aber am Leistungsvermögen von Rennfahrern orientiert und deshalb für viele Hobbysportler eher ungeeignet. Oder sie wählten ein Getriebe mit einer Dreifach-Kurbel vorne und signalisierten schon von weitem: Achtung, Fahrer muss am Berg zurückschalten! Um sich Spott zu ersparen, wählten viele Rennrad-Puristen lieber die Profi-Variante und quälten sich damit an steilen Anstiegen mehr als nötig

 

Kompaktkurbeln mit einer gängigen Abstufung von 34/50 bieten einen Ausweg aus dem Dilemma. Diese Kombination verschiebt das Übersetzungsspektrum in Richtung der Gänge, die Hobbyfahrer wirklich fahren (können). Weitere Vorteile sind die Erhaltung der klassischen Rennradoptik, der geringere Pedalabstand und ein besserer Überblick bei Schaltvorgängen als bei Dreifach-Antrieben. Außerdem sparen kompakte gegenüber Dreifach-Antrieben mindestens 200 g Gewicht und schalten meist besser.

Also Kompaktkurbeln kaufen und umrüsten?

Sicher sind Kompaktkurbeln, gemessen am Leistungsvermögen vieler Freizeitathleten, ein Schritt in die richtige Richtung, doch selbst eine breit gefächerte Übersetzung mit 34 Zähnen auf dem kleinen Blatt und 27 Zähnen auf dem größten Ritzel bietet nicht automatisch jene Übersetzung, die viele Hobbyradler eigentlich brauchen.

 

Ein Beispiel:

ein gut trainierter Marathonfahrer mit einem Körpergewicht von 70 Kilo, der an einer zehnprozentigen Steigung eine Leistung von 300 Watt einsetzt, tritt mit einer Standard-Übersetzung von 39/26 etwa 65 Kurbelumdrehungen pro Minute. Klingt flott, ist es aber nicht. Unter Sportwissenschaftler gelten 75 bis 80 Umdrehungen pro Minute als Untergrenze für Dauerleistungen. Liegt die Trittfrequenz darunter, wird der Kraftanteil zu groß, belastet Sehnen und Muskeln. Zwar lassen sich kürzere Anstiege auch mal mit höheren Übersetzungen im Wiegetritt bezwingen, aber bei Passfahrten führt diese Methode schnell ins Aus.

Für 75 Kurbelumdrehungen braucht der Fahrer aus unserem Beispiel eine deutlich kleinere Übersetzung – ein Kompaktantrieb mit 34/26 Zähnen wäre für den beschriebenen Einsatzzweck optimal.

 

Da die meisten Hobby-Radler von 300 Watt Dauerleistung nur träumen können – 200 Watt sind für durchschnittliche Marathonfahrer realistisch – wird klar: auch Kompaktkurbeln helfen nur bedingt weiter. Handicap ist die begrenzte Kapazität des hinteren Schaltwerks, das – je nach Hersteller verschieden – Ritzel mit maximal 29 Zähnen zulässt. Mit einer theoretisch möglichen 34/34 Übersetzung (9-fach Shimano) käme ein Fahrer mit 200 Watt Dauerleistung auf rund 70 Kurbelumdrehungen pro Minute - noch nicht optimal, aber immerhin. Noch besser wäre für diesen Fahrer eine Dreifachkurbel mit 30/34. Damit erreicht der 200-Watt-Fahrer 75 Umdrehungen pro Minute.

 

 

Bleibt die Frage, warum Rennrad-Schaltwerke eine geringere Kapazität als Mountainbike-Schaltwerke haben müssen. Technische Gründe dafür sind nicht erkennbar. Die führenden Komponenten-Hersteller sind aufgefordert, diese Schwäche zu beseitigen, dann könnte jeder Rennradler die richtige Getriebeabstufung für sich finden.